Hamburg, 11.02.2021 | Story | Lösungen für die Industrie Olympus bringt Licht in die Entstehungsgeschichte von Stonehenge

Seit Hunderten von Jahren rätseln Forscher über die Herkunft der bis zu 30 Tonnen schweren Steine von Stonehenge. Dank neuer Forschungserkenntnisse und fortschrittlicher Technologie von Olympus ist die Frage nun endlich geklärt.

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Stonehenge_image_2 credit Andre Pattenden_English Heritage

Versetzen wir uns in die Jungsteinzeit zurück: Die Sonne brennt vom Himmel. Das grobe Seil schneidet immer tiefer in die Hände. Der dreißig Tonnen schwere, grob behauene Riesenstein muss über unebenes Gelände transportiert werden. Du hast dafür keine schweren Maschinen, ja nicht einmal Räder, der Stein befindet sich auf einem Holzschlitten, der sich bei jedem Zug tiefer in die Erde gräbt.

Es ist Knochenarbeit und Du fragst dich, wie weit du noch gehen musst.

Vor etwa 4500 Jahren transportierten die damaligen Bewohner des heutigen Englands 30 Tonnen schwere Megalithen von ihrem Steinbruch zur Ebene von Salisbury und stellten sie dort auf, um das weltberühmte Monument zu schaffen, das heute als Stonehenge bekannt ist.

Seit Jahrhunderten spekulieren Forscher und Archäologen darüber, woher diese Megalithen stammen. Einig waren sich die meisten Forscher nur darüber, dass die Steine nicht aus der Ebene von Salisbury stammen. Es hat Hunderte von Jahren gedauert das Rätsel um die Herkunft zu lösen. Dank neuer Forschungserkenntnisse und fortschrittlicher Technologie von Olympus ist die Frage endlich geklärt.

Analyse der Architektur von Stonehenge: Von Bluestones bis Sarsen

Laut einigen Studien stammen die kleineren Steine (Bluestones) in der Nähe des Zentrums von Stonehenge aus den über 200 km entfernten Preseli Hills in Pembrokeshire im Südwesten von Wales, doch die Herkunft der größten Steine (Sarsen) der Anlage blieb ein Rätsel.

Nun enthüllen neue Untersuchungen von vier britischen Universitäten (Brighton, Bournemouth, Reading und UCL) und English Heritage, einer Organisation zur Verwaltung von Denkmälern und archäologischen Stätten in England, deren wahrscheinliche Herkunft. Das Wissenschaftlerteam verwendete für die Herkunftsbestimmung einen neuen geochemischen Ansatz der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA).

Die Ergebnisse zeigen, dass die großen Sarsen-Steine aus einem viel näherem Gebiet stammten, den West Woods, Wiltshire, nur 25 km nördlich der Anlage.

Das Monument in Stonehenge in der Übersicht. (Bild: Andre Pattenden, English Heritage)

Bestimmung der Herkunft der riesigen Sarsen-Steine mittels RFA-Technologie

Zunächst analysierten die Wissenschaftler die 52 Sarsen-Steine der Stonehenge-Anlage mit den DELTA RFA-Handanalysatoren von Olympus. RFA-Analysatoren verwenden eine zerstörungsfreie Technik namens Röntgenfluoreszenz, um die elementare Zusammensetzung eines Materials zu analysieren, ohne es zu beschädigen. Das funktioniert folgendermaßen: Während der Analyse sendet der Analysator Röntgenstrahlen aus, die auf die Probe treffen, wodurch die Elemente in der Probe zum Fluoreszieren angeregt werden. Die dabei abgegebene Röntgenfluoreszenzstrahlung wird vom Röntgendetektor des Analysators erfasst. Der Analysator misst dann das Energiespektrum und zeigt das Ergebnis der chemischen Zusammensetzung auf dem Bildschirm an. All dies geschieht innerhalb von Sekunden.

Jake Ciborowski (University of Brighton) anaylisert einen Sarsen-Stein in Stonehenge mit einem tragbaren Röntgenfluoreszenzspektrometer von Olympus. (Bild: David Nash, University of Brighton)

Die leistungsstarken RFA-Handanalysatoren ermöglichen Archäologen die Analyse großer schwerer Proben (wie Sarsen-Steine) vor Ort, ohne dass diese ins Labor gebracht werden müssen. Auf diese Weise erhalten Wissenschaftler die Ergebnisse in Laborqualität sofort direkt vor Ort.

Die RFA-Ergebnisse, die jetzt in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurden, zeigen, dass 50 der Sarsen-Steine eine ähnliche Geochemie aufweisen. Dies bedeutet, dass sie einen gemeinsamen Herkunftsort haben.

Aber woher genau kommen sie?

Da Stonehenge-Experten schon seit langer Zeit vermuten, dass die Sarsen-Steine aus den nahe gelegenen Marlborough Downs stammen, einem Gebiet mit der größten Konzentration von Sarsen-Steinen in Großbritannien, suchten Wissenschaftler nun nach einer Möglichkeit, die Herkunft zu bestätigen und einen genaueren Standort zu bestimmen. Schließlich erstrecken sich die Marlborough Downs über eine große Fläche. Außerdem finden sich Sarsen-Vorkommen auch in anderen Regionen, wie Kent, Dorset und Oxfordshire.

Die Antwort fiel ihnen in die Hände, als etwas Unerwartetes passierte: ein fehlendes Teil von Stonehenge kam nach England zurück.

Ein altes Relikt kehrt zurück und die Forschung geht weiter

1958 wurden Bohrarbeiten in Stonehenge abgeschlossen, um die Wiederaufstellung eines umgefallenen Triliths zu erleichtern, eines Torbaus, der aus zwei Sarsen-Tragsteinen und einem dritten daraufliegenden Sarsen-Deckstein besteht. Während dieser Arbeiten entfernten die Arbeiter drei etwa 1 Meter lange Bohrkerne aus einem Sarsen-Stein (Stein 58), um ihn mit Metallstäben zu stabilisieren. Alle drei Bohrkerne verschwanden und 60 Jahre gab der Verbleib der Bohrkerne Rätsel auf.

Bohrarbeiten in Stonehenge im Jahr 1958. Robert Phillips, der 2018 einen der Kerne nach Großbritannien zurückbrachte, ist links abgebildet. (Bild: Robin Philips)

Das änderte sich erst 2018. Der Engländer Robert Phillips, ein Restaurator, der an den damaligen Bohrarbeiten beteiligt war und später nach Florida auswanderte, brachte einen der Bohrkerne kurz vor seinem 90. Geburtstag nach Großbritannien zurück. Er hatte den Bohrkern als Andenken an die Restaurierung erhalten und ihn zunächst in seinem Büro in England und später in seinem Haus in Florida aufbewahrt. Ein Jahr später tauchte dann noch ein Teil des zweiten Bohrkerns im Museum von Salisbury auf.

Geochemische Charakterisierung löst das Rätsel von Stonehenge

Nachdem Robert Phillips den Bohrkern zurückgegeben hatte konnten sich Wissenschaftler wieder an die Arbeit machen. Ziel war es, die einzigartige Geochemie des Sarsen-Bohrkerns zu bestimmen und ihn mit der Geochemie von Sarsen-Steinen in ganz Südengland abzugleichen. Mit Erlaubnis von English Heritage schnitten Wissenschaftler der University of Brighton drei kleine Proben aus einem Abschnitt in der Mitte des Bohrkerns von Robert Phillips. Der Vergleich der Geochemie mit entsprechenden Sarsen-Proben aus 20 Regionen in Südengland ergab schließlich eine Übereinstimmung mit Steinen aus West Woods im Südosten der Marlborough Downs.

Jake Ciborowski (University of Brighton) analysiert den Bohrkern von Stein 58 mit einem Olympus DELTA RFA-Handanalysator. (Bild: Sam Frost, English Heritage)

Einige Geheimnisse bleiben vorerst ungelöst

Zwar bietet diese Entdeckung zusätzliche Erkenntnisse über dieses historische Steinmonument, sie lässt aber auch neue Fragen aufkommen:

  • Warum wählten die früheren Bewohner West Woods als Hauptquelle für die Sarsen-Steine von Stonehenge?
  • Wo wurden die Sarsen-Steine aus West Woods gebrochen?
  • Warum stammen zwei der 52 Sarsen-Steine aus einer anderen Quelle und woher genau kommen sie?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen Archäologen die Forschungen mit fortschrittlichen Technologien, wie der RFA, fortsetzen.

Erfahren Sie mehr über die Rolle von RFA-Handanalysatoren von Olympus bei dieser Neuentdeckung und anderen Entdeckungen in diesem Artikel und mehr zu Anwendungen unseres neuesten RFA-Handanalysators unter Vanta RFA-Handanalysator.

Plan von Stonehenge von W.M. Flinders Petrie aus dem späten 19. Jahrhundert (links) und Karte mit den Standorten von Stonehenge und West Woods mit möglichen Transportwegen. (David Nash, University of Brighton)