Hamburg, 26.02.2020 | Pressemitteilung | Kamera & Audio Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, Foam Fotografiemuseum Amsterdam und Fotografie Forum Frankfurt präsentieren den zweiten Jahrgang des recommended Olympus Fellowship

Ab dem 21. März erstmals im Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg

In wenigen Wochen werden die Werke von Karla Hiraldo Voleau, Tobias Kruse und Mika Sperling, Stipendiat*innen des zweiten recommended Olympus Fellowship, als Gruppenausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Auftakt ist in Hamburg, vom 21. März bis 14. Juni 2020 im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg. Vom 8. August bis zum 27. September 2020 wird die Ausstellung im Fotografie Forum Frankfurt zu sehen sein und vom 15. Januar bis 11. April 2021 im Foam Fotografiemuseum Amsterdam. Seit 2019 arbeiten die Künstler*innen, die einstimmig von den Fotokurator*innen der Häuser für die zweite Runde des Stipendiums ausgewählt und während des Stipendiums von ihnen begleitet wurden, an ihren neuen fotografischen Werkgruppen, deren Kreation durch die Unterstützung von Olympus ermöglicht wurde.

Kameras & Objektive
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Tobias Kruse, DEPONIE #023, 2019 © Tobias Kruse, 2020

In seinem fotografischen Projekt widmet sich Tobias Kruse, 1979 in Waren (Müritz) geboren, den Gefühlen, die heute immer noch Angst, Wut und Aggression in der ostdeutschen Gesellschaft auslösen und die ihn an seine Jugend in den 1990er Jahren nach dem Mauerfall erinnern. Für seine Aufnahmen von Landschaften und Portraits an 25 Orten in Ostdeutschland arbeitet er erstmalig in schwarz-weiß, um Gegenwart und Vergangenheit zu „überblenden“. Der Titel der Arbeit „Deponie“ referiert auf den Ausgangspunkt des Werkes, die Sondermülldeponie Ihlenberg bei Schwerin, auf der die ehemalige BRD und Westeuropa ihren Sondermüll entsorgten. Die tatsächliche Gefahr, die von ihr ausgeht, konnte nie vollständig geklärt werden. Heute sind die Altlasten abgelegt und abgedeckt, beinahe unsichtbar – dennoch existieren sie weiterhin. Tobias Kruse hat für seine Arbeit Orte bereist, die aus persönlichen, politischen oder historischen Gründen einen Bezug zur Vergangenheit und zur aktuellen Situation aufweisen.

„Ich finde Kruses Blick auf Deutschland bemerkenswert. Tobias Kruse erlaubt sich als Künstler, eine einseitige Betrachtung zu wagen. Er sucht keine Balance. Es gibt kein Happy End. Er lüftet damit den Schleier, der verbirgt, wohin Ost-Deutschland durch dumpfen Nationalismus, Vereinzelung und Zerstörung von Landschaft driftet. Dies in einem Konzentrat von über 40 schwarzweiß Bildern konsequent zu zeigen, hat mich überrascht und überzeugt“, so Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie / Deichtorhallen Hamburg.

Karla Hiraldo Voleau, Yusuke Has Nothing to Tell to Anyone VI, aus der Serie I Have Nothing to Tell You, 2019 © Karla Hiraldo Voleau, 2020

Karla Hiraldo Voleau, 1992 in der dominikanischen Republik geboren und in Frankreich aufgewachsen, zeigt in ihrer Arbeit „I Have Nothing to Tell You“, den Austausch mit jungen Japaner*innen über persönliche Geheimnisse und Erfahrungen in der Liebe. Neuartige Angebote zu unterschiedlichsten Diensten im Bereich der Liebe für Frauen in Japan hatten sie neugierig gemacht auf die dortige Datingkultur. Die Künstlerin hat die großen kulturellen Unterschiede, besonders in Bezug auf die Liebe, ihre eigene Liebesgeschichte und aktuelle Emotionen in den Austausch mit den Japaner*innen eingebracht. Trotz großer Sprachbarrieren konnte sie auf den Dachterrassen Tokios den intimen Austausch persönlicher Geheimnisse durch das gegenseitige Schreiben auf die Haut des Anderen ermöglichen. „Ich bewundere, wie es Karla Hiraldo Voleau gelungen ist, Unsicherheiten und Schwierigkeiten auf persönlicher Ebene in ein Werk zu verwandeln, das die universellen Fragen berührt. Fragen, wie man wirklich mit Menschen in Kontakt treten kann, wie man Trost im Kontakt mit anderen findet und wie man Gefühle von Liebe und Verlust teilt“, so Kim Knoppers, Kuratorin am Foam Fotogarfiemuseum Amsterdam.

Mika Sperling, Her Curlers, aus der Serie Mother Tongue, 2019 © Mika Sperling, 2020

Mika Sperling, wurde 1990 in Norilsk in Russland geboren, wuchs ab ihrem dritten Lebensjahr in Deutschland auf, lebt heute in Hamburg und studierte u. a. in den USA, wo auch ihre inzwischen zweijährige Tochter geboren wurde. In ihrer Arbeit „Mother Tongue“ reflektiert die Künstlerin insbesondere die Beziehung zu ihrer vietnamesischen Schwiegermutter, die ebenfalls in Deutschland lebt. Sperlings Interesse gilt vor allem dem Einfluss der unterschiedlichen kulturellen Herkunft auf die zwischenmenschlichen Beziehungen – im familiären Miteinander und in der Kommunikation zwischen den drei Frauengenerationen Schwiegermutter, Schwiegertochter und Enkeltochter. Sprache spielt dabei eine Schlüsselrolle, da sie sich in diesem Familiengefüge oft als kulturelle Hürde erweist. Das Russische beispielsweise, das als Muttersprache ein wesentlicher Teil von Sperlings Identität ist, muss von ihr neu erlernt werden, wenn sie es ihrem Selbstverständnis gemäß an ihre Tochter weitergeben möchte. Die kleine Tochter wiederum, die einmal zum Bindeglied in der vielsprachigen Familie werden kann, lernt zugleich auch Englisch, Deutsch und Vietnamesisch. Ihr recommended-Projekt setzt Mika Sperling mit Fotografie und Video um; dazu ergänzt sie Tonaufnahmen. „Für mich ist es bemerkenswert, wie Mika Sperling ihre multikulturelle Herkunft und deren Einfluss auf ihren multikulturellen Familienalltag Schicht um Schicht freilegt und in Bildern visualisiert. Wir sehen sehr persönliche Momente einer sehr persönlichen Geschichte. Und doch will die Künstlerin uns damit nicht die eine allgemeingültige Wahrheit enthüllen. Stattdessen schafft ihre einzigartige künstlerische Vision Raum für unsere eigenen Emotionen und das Hinterfragen unserer eigenen persönlichen Beziehungen“, sagt Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des Fotografie Forum Frankfurt.

recommended wurde 2017 als Stipendium für aufstrebende Fotograf*innen im künstlerischen Bereich von Olympus initiiert und in Kooperation mit dem Haus der Photographie/ Deichtorhallen Hamburg, Foam Fotografiemuseum Amsterdam und Fotografie Forum Frankfurt ins Leben gerufen. Das Stipendium findet in den Jahren 2019 und 2020 zum zweiten Mal statt. Die Stipendiat*innen werden von den Kurator*innen der drei Häuser vorgeschlagen und einstimmig von ihnen ausgewählt. Jede*r Fotokurator*in begleitet einen der Stipendiat*innen persönlich über den Zeitraum des zweijährigen Stipendiums. Olympus unterstützt die Stipendiat*innen finanziell und durch Kamera-Equipment. Ziel des Stipendiums ist es, die von den Kurator*innen als bemerkenswert erachteten Künstler*innen an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere wirksam zu unterstützen und dadurch auch die zeitgenössische künstlerische Fotografie zu fördern.

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